Die Anfänge, Blütezeit im 2. Weltkrieg, Nose-Art

Pin-Up Girl für Retro Produkte

Pin-Up spielt oft lassiv mit eindeutigen Posen

Vorläufer von Pin-up gibt es schon recht lange, bereits im 19. Jahrhundert war es üblich, Kalendergeschichten, Groschen- und Kolportageromane mit Abbildungen von anziehend aussehenden jungen Frauen zu verzieren. Glamour-Girls dienten sozusagen als eine Art „Teaser“, um potenzielle Leser anzuziehen und im wahrsten Sinne des Wortes Lust zu erwecken, die beworbenen Produkte zu kaufen. Handelte es sich bei diesen Vorläufern der Pin-up Girls in der Regel um gezeichnete Figuren, so waren die späteren Vorlagen Fotos von realen Frauen.

Die Glanzzeit der Pin-up Girls entwickelte sich im 2. Weltkrieg und im Koreakrieg. Soldaten schmückten ihre Spinde und sogar die Schnauzen ihrer Kampfflugzeuge mit Fotos von Pin-up Models und Glamour Girls. In den 1960er Jahren entwickelten Künstler wie Andy Warhol die Vorlage der Pinups zu einer regelrechten Kunstform, und Schauspielerinnen wie Rita Hayworth, Marilyn Monroe und Mae West, die ihre künstlerische Karriere als Models für Pin-up Art begonnen hatten, wurden selbst Stilikonen. Zeichnungen oder Fotografien, häufig auch in erotischer Form waren bereits im 1. Weltkrieg verbreitet.

Zu einem Kulturphänomen, das hohe Faszination ausübte, entwickelte sich Pin-up Art allerdings erst im Verlauf des Zweiten Weltkriegs und im Koreakrieg. Die Pin-up-Girls waren sozusagen ein Medium, ein Verbindungsglied, das die amerikanischen GIs im Pazifik, auf Sizilien, in Großbritannien, Frankreich oder in Korea mit der Heimat verband.

Auf bekannte Models wurden die Sehnsüchte der Soldaten projiziert. Pin-up-Girls entsprachen dem Charme von Mädchen aus der Nachbarschaft und ließen erotische Phantasien zu, waren aber nicht pornographisch oder obszön. Glamour-Girls wurden so fast so etwas wie Familienmitglieder, die den Soldaten, von denen wohl die meisten sich nie längere Zeit fern von Zuhause aufgehalten hatten, den rauen Kriegsalltag erträglicher machen konnten. Bomberpiloten und Jagdflieger gingen sogar soweit, dass sie die Kühler ihrer Maschinen mit Zeichnungen von bekannten Pin-up Models wie Rita Hayworth oder Betty Page verzierten.

Die Glamour-Girls wurden zu Namensgeberinnen und Patinnen von Flugzeugen. Die Piloten und Crew-Mitglieder tauften ihre Maschinen auf die Namen beliebter Models, gaben ihren Flugzeugen die Namen ihrer Lieblings-Pin-up-Girls. Aus den oft künstlerisch ausgefeilten Zeichnungen auf den Motorhauben von Jagdflugzeugen und Bombern entwickelte sich geradezu eine eigene Kunst, die sogenannte „Nose-Art„.

Beliebte Motive waren Comicfiguren der Looney Tunes wie Bugs Bunny oder Duffy Duck oder eben Glamour-Girls und Pin-up-Models. Diese recht eigenwillige Verzierung von Kampfflugzeugen entsprach natürlich nicht den Dienstvorschriften. Dennoch wurde es geduldet, denn es gab den Flugzeugen eine eigenwillige Note. Es war möglich, einzelne Staffeln und Piloten zu identifizieren und ließ der Kreativität der GIs Freiheit, Individualismus zu entwickeln, und das stärkte letztlich die Kampfmoral, so dass diese eigenartige Kunstform von Vorgesetzten augenzwinkernd akzeptiert wurde. Das war allerdings nur in der US-Airforce der Fall, die US-Navy duldete die sogenannte Nose-Art nicht.

McCarthy-Ära und Hays Code

Pin-Up Motorrad

Pin-Up bringt oft attraktive Frauen mit große, potenten Maschinen wie Flugzeuge oder Motorräder zusammen

Eine Kulturgeschichte des Pin-up wäre unvollständig ohne Hugh Hefner zu erwähnen. 1953, kurz nach dem Ende des Koreakrieges erschien die erste Ausgabe von Hefners Lifestylemagazin Playboy. Die Zeitschrift warb mit dem Motto „Alles was Männern Spaß macht“, und zu einem Markenzeichen des Lifestylemagazins gehörte ein zusammenfaltbares Poster eines attraktiven Pin-up Girls, der Playmate des Monats, das recht bald schon so etwas wie Kultstatus erreichte.

Die erste Ausgabe enthielt eine für die damalige Zeit recht gewagte Aufnahme von Marylin Monroe, und in den folgenden 20 Jahren gab es einige bekannte Künstlerinnen, die ihre Karriere als Pretty-Girl, Pin-up Model, Playmate oder Glamour Girl mit Aktfotos für Lifestylemagazine wie Playboy oder Penthouse begannen. Erotische Fotografien wurden allerdings durch die ziemlich prüde Sexualmoral der 1950er Jahre und den sogenannten Hayes-Code eingeschränkt.

Der Hayes Code war eine Zusammenstellung von Richtlinien und Verhaltensnormen der in den 1930er Jahren noch freiwillig vom Dachverband der amerikanischen Filmindustrie übernommen wurde und die Darstellung von Gewalt und Erotik aus Gründen des Jugendschutzes und der öffentlichen Moral beschränkte. Als Maßstab was künftig erlaubt sein sollte, galt die „gesunde und erbauliche Geisteshaltung“ des amerikanischen Normalbürgers.

Eine so schwammige Verhaltensrichtlinie leistete natürlich der Zensur Vorschub. Es wurde ein Komitee, das „National Board of Review“ gegründet, das aus unbescholtenen Bürgern rekrutiert wurde und künftig Filme und Printmedien kontrollieren sollte, ob deren Inhalt mit der immer rigider werdenden Sexualmoral der Mccarthy-Ära noch kompatibel war.

Bereits 1922 waren im Kongress der USA Stimmen laut geworden, die ein umfassendes Zensurgesetz für Filme und Printmedien forderten. Aus diesen Bemühungen ging eine Behörde hervor, die „Motion Pictures Producers Association„, die unter der Leitung von William H. Hays, einem ehemaligen Wahlkampfleiter von Präsident Warren G. Harding Filme und Printmedien kontrollieren sollte. Da die Richtlinien ziemlich unbestimmt waren, gab Hays Behörde bereits in den 1930er Jahren eine Liste von Verhaltensregeln heraus, die Publizisten, Fotografen und Regisseure auf Linie bringen sollten.

Verboten wurden übermäßige Darstellungen von Gewalt, erotische Darstellungen, Obszönitäten und Gotteslästerung. Diese Verhaltensvorgaben waren anfangs recht vage und ließen Models, Künstlern und Regisseuren einen gewissen Spielraum. Als eine Verfilmung von William Faulkners Roman „Die Freistatt“ mit Mae West in der Hauptrolle in die Kinos kam, forderten Hardliner eine Verschärfung des Hays-Code.

Mae West war vor dem Zweiten Weltkrieg ein bekanntes Glamour-Girl und eine Femme fatale, die für ihr loses Mundwerk ebenso gefürchtet wie beliebt war. Als Pretty-Girl hatte sie ihre Karriere begründet und ihre Aussprüche waren förmlich zu geflügelten Worten geworden. In einem Western fragte sie „Is that a gun in your pocket or are just happy to see me?“ (Is das eine Pistole in deiner Tasche oder freust du dich bloß, mich zu sehen) war noch einer ihrer harmlosen Sprüche.

In der Faulkner Verfilmung spielte Mae West ein Glamour-Girl, das eigentlich aus besserem Hause stammt, nach einer Vergewaltigung aber weiter mit dem Täter zusammen lebt. In vielen anderen Produktionen verkörperte West Prostituierte, Frauen, die uneheliche Kinder hatten oder ein Pretty-Girl mit Sexappeal. Die Faulkner-Verfilmung mit einem Glamour Girl wie Mae west in der Hauptrolle entfachte einen Sturm des Protestes, und es wurden Stimmen laut, die eine Verschärfung des Hays-Code forderten.

Es formierten Sittenvereine, die Filme und Printerzeugnisse boykottierten, die der rigiden Sexualmoral widersprachen. die Katholiken in den USA gründeten die Catholic Legion of Decency, und der Einfluss solcher selbsternannter Moral- und Tugendwächter wurde so groß, dass sie durch Boykottaufrufe missliebige Filme und Printerzeugnisse zum Scheitern bringen konnten. Diese Entwicklung ging auch an den verhältnismäßig züchtigen Pin-up Vorlagen nicht spurlos vorbei.

Das Höchste, was ein Glamour-Girl oder Pin-up Model zeigen durfte, war eine Pose in Dessous oder im Badeanzug. Während des Zweiten Weltkriegs und des Koreakrieges hatten Pin-up Fotos sozusagen noch einen patriotischen Zweck erfüllt, das änderte sich aber nach dem Koreakrieg, und selbsternannte Sittenwächter witterten bereits in der freizügigen Pose eines Pin-up Models einen Anschlag auf die guten Sitten.

Ende der 1950er Jahre formierte sich allerdings Widerstand gegen den Hays Code und die Vorgaben, die Printmedien und Filme in ihrer künstlerischen Freiheit beschränkten, lockerten sich. In den 1960er Jahren läuteten Künstler wie Andy Warhol eine Renaissance der Pin-up-Kunst ein. Mit neuen Techniken wie dem Siebdruck griff Warhol auf Pin-up-Vorlagen aus den 1950er Jahren zurück und kreierte einen eigenen Stil. Warhols Pop-Art stieß auf heftigen Protest, fand aber auch begeisterte Anerkennung. Bis heute hat dieser Stil bestand und lebt z.B. auch im Stil der Rockabilly weiter.

Kritik durch die Emanzipationsbewegung und Revival

War der größte Widerstand gegen Pin-Up-Kunst in den 1950er Jahren noch aus puritanisch-konservativen Kreisen ausgegangen, so wurde Ende der 1960er und in den 1970er-1980er Jahren Kritik laut aus Teilen der Frauenrechts- und Emanzipationsbewegung. Feministinnen bezeichneten Aktfotos von Glamour Girls als sexistisch und frauenfeindlich und warfen Künstlern wie Helmut Newton vor, dass seine Werke pornographisch seien und ein konservatives, sexistisches Frauenbild propagieren, das Frauen auf überkommene Rollenverteilung festlege und als Sexualobjekt degradiere.

Als Mitte der 1980er Jahre ein französisches Pretty-Girl auf einem Poster ankündigte, bis zu einem bestimmten Datum alle Hüllen fallen zu lassen, geriet die Werbeagentur, die die Fotoserie veröffentlicht hatte, in die Kritik. Nach dem Fall der Mauer und dem Ende des Kalten Krieges hatten viele Bewohner der ehemaligen Ostblockstaaten anscheinend ein großes Nachholbedürfnis, und es boomte das Geschäft mit Erotikartikeln und Pornographie.

Verglichen mit dem, was seit den 1990er Jahren vermarktet wurde, erschienen die Pin-ups der 1950er Jahre dann allerdings schon fast keusch und altbacken. Was im Westen in den 1950er Jahren Sittenwächter und Verteidiger der Tugend auf die Barrikaden getrieben hatte, wiederholte sich Ende der 199er Jahren und zur Jahrtausendwende unter etwas anderen Vorzeichen in Staaten wie Russland, der Volksrepublik China und Indonesien.

Erotikmagazine wie Playboy, Penthouse und andere verzichteten in diesen Staaten auf Abbildungen von vollständig entkleideten Frauen. Durch das neue Medium des Internets entstand allerdings recht bald auch eine gewisse Übersättigung. Auf etlichen Webseiten und Blogs wurde bald schon fast jede sexuelle Orientierung bedient. Das Internet trug aber auch dazu bei, das offen über ungewöhnlichere Orientierungen gesprochen wurde, die bis zur Jahrtausendwende total tabuisiert waren oder bestenfalls in einigen wenigen Insidermagazinen thematisiert wurden.

Das führte indirekt dazu, das die Pin-ups der 1950er Jahre wiederentdeckt wurden. Gothic, Bondage and Submission und SM-Fans entdeckten in Künstlerinnen wie Betty Page Vorläuferinnen dieser Stilrichtung und sahen die Pin-up-Art der 1950er Jahre in einem neuen Licht. Auch die Frauenrechtsbewegung hat schließlich, abgesehen von einigen Hardlinern und HardlinerInnen schließlich ihren Frieden mit erotischer Kunst und Pin-ups gemacht. Die Stilelemente aus der Blütezeit wurden und werden immer wieder neu interpretiert, so dass zu erwarten ist, dass Pin-up-Art, die häufig für antiquiert erklärt wurde, immer wieder zu Neuinterpretationen anregen wird.

Heute wird das Thema Pin-up deutlich unaufgeregter behandelt. Vielmehr kann man heute viele Designartikel erwerben, die Pin-up-Motive zeigen und beispielsweise mit passenden Bildern oder Metallschildern der Einrichtung einen besonderen Retro-Charme geben.